Das Carlswerk: Wo einst das erste Telefonkabel gefertigt wurde, das Europa mit Amerika verband

Wo sich heute mehr als 50 Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen sowie ein breites Freizeit- und Kulturangebot finden, wurden einst Telefonkabel produziert. Wie sich das ursprüngliche Industrieareal zu einem urbanen Stadtquartier entwickelt hat:

1874 beginnt Felten & Guilleaume mit der Produktion von Kabeln in Köln-Mülheim.

1892 wird aus dem Standort Carlswerk ein eigenständiges Unternehmen.

Im Jahr 1899 wird das Carlswerk als „Actiengesellschaft Felten &GuilleaumeCarlswerk AG" an die Börse gebracht. Durch internationale Zukäufe von Firmenanteilen und Firmen, wie dem Kölner Clouth-Werk in Nippes, baut Felten &Guilleaume seine Position als führender Kabelproduzent in Deutschland aus.

1903 liefert Felten &Guilleaume die Seile für die erste Drahtseilbahn der Schweiz, den „Wetterhornaufzug".

1904 produziert Felten &Guilleaumedas erste transatlantische Telefonkabel. Es verbindet Europa mit Nordamerika.

Auch in Köln genießt das Carlswerk einen guten Ruf. 1929 werden hier die Tragseile der Mülheimer Brücke ausgeliefert.



1941 liefert das Carlswerk die Tragseile für die Rodenkirchener Rheinbrücke. Im Krieg vergleichsweise wenig beschädigt, beginnt der Wiederaufbau im Carlswerk bereits ab Juni 1945.
Schon 1946 wird ein 110-kV-Druckkabel für die Hamburger Elektrizitätsversorgung gefertigt.
In den 1950er-Jahren festigt Felten &Guilleaume seinen guten Ruf im Ausland. Es entstehen Starkstromkabel für Ägypten, Marokko und Belgisch-Kongo sowie Stahlseile für Jamaika, Venezuela, die USA und Italien.

Im April 1957 wird zur Eröffnung der Bundesgartenschau die Rheinseilbahn vom Kölner Zoo nach Köln-Deutz in Betrieb genommen. Die Stahlseile stammen natürlich aus dem Carlswerk.
Das Werk wächst weiter, und 1960 beschäftigt die „Felten &GuilleaumeCarlswerk AG" beachtliche 23.560 Mitarbeiter.

Erst 1978 schreibt Felten &Guilleaume wieder schwarze Zahlen.
Die Energietechniksparte wird 1986 als „Felten &Guilleaume Energietechnik AG" an die Börse gebracht. Größter Aktionär wird die GEW Köln.
Philips übernimmt Kapitalanteile von Arbed, entwickelt die Philips Kommunikations Industrie und verkauft diesen Teil des Unternehmens 1993 an Nokia. 
Das Carlswerk arbeitet erfolgreich weiter, 1994 erreichte Felten &Guilleaume erstmals einen Umsatz von 1 Milliarde DM. Nach zahlreichen Umstrukturierungen und Transaktionen verkauft der Hauptaktionär GEW seine Aktien von Felten &Guilleaume an die Moeller-Gruppe, die nach nur einem Jahr an den aktuellen Eigentümer, nkt cables GmbH, verkauft wird.

2007 erwirbt BEOS das Gelände des Carlswerks für eine internationale Investorengruppe. Damit beginnt für eines der bedeutendsten Industrieareale Kölns eine neue Zukunft als moderner Gewerbecampus mit einer urbanen Mischung aus Büro-, Gewerbe- und Serviceflächen.

Während nkt cables seinen Unternehmensstandort bis 2011 sukzessive nach Köln-Flittard verlagert, werden im Carlswerk neue Unternehmen angesiedelt. BEOS baut 2009 die denkmalgeschützten Gebäude Kupferhütte und Werkstatt zu Bürolofts um. In den drei Hallenschiffen der Kupferhütte entstehen sechs Maisonette- Einheiten zwischen 380 und 1.220 Quadratmetern. Als erstes zieht hier im August 2009 die TV-Produktionsfirma Shine Group Germany ein. Aus der Medienbranche siedeln sich im Carlswerk weitere Unternehmen wie Stefan Raabs TV-Produktionsfirma Brainpool an.

Für das Bildungsunternehmen Inbit baut BEOS 2009 in nur vier Monaten das denkmalgeschützte Schanzenhaus um. Dort, sowie im ebenfalls rasch umgebauten Labor und in der Spulenfabrik führt Inbit EDV- und Gastronomieschulungen durch und bringt seine Verwaltung unter.

Anfang 2010 verlegt die Verlagsgruppe Lübbe ihren Sitz nach Köln in das Hauptgebäude des Carlswerks. Die rund 170 Mitarbeiter belegen die vierte bis sechste Etage. Im Erdgeschoss entsteht aus einer ehemaligen Produktionshalle ein Foyer, unter anderem für Autorenlesungen des Verlags. Insgesamt mietet Lübbe ca. 5.800 Quadratmeter.

In Spulenfabrik und Hauptgebäude belegen die Bühnen der Stadt Köln seit April 2010 ein Interimsquartier für ihre Kostümabteilungen und Bühnenwerkstätten für die Dauer der Sanierungsarbeiten am Opernhaus.

Seit September 2010 beherbergt die Kupferhütte auch den Showroom der BEOS AG.

Weiterhin eröffnet im September 2010 im Hypodrom, das BEOS zu einem Loft-Ensemble umgebaut hat, das italienische Restaurant Purino auf 1.000 Quadratmetern Nutzfläche.

Nkt cables zieht im Frühsommer 2011 die letzten Hallen und Freiflächen des Carlswerks frei und das Gelände wird offener gestaltet.

Aber die Industrie bleibt im Carlswerk vertreten: Der Karton- und Dekoplattenhersteller Karthäuser-Breuer bezieht im Juni 2011 1.100 Quadratmeter Produktions- und Lagerflächen.

Die Firma Brennwagen nimmt ab September 2011 ihre Produktion auf 700 Quadratmetern im Kupferzug auf und das Unternehmen Battery Gurus nutzt ab Oktober 2011 einen Teil der Aluhalle.

Im Sommer 2011 wird das gastronomische Angebot im Carlswerk durch die Kölner Salatbar Supasalad erweitert.

Als weiterer Büromieter in der Kupferhütte wird KaiserGames im November 2011 einziehen.

Im März 2013 mietet das Eco Institut über 500 Quadratmeter Büro- und Laborflächen im Kupferzug an. Im selben Monat zieht mit der Fröbus GmbH ein weiteres Medienunternehmen ins Carlswerk ein, die Mietfläche setzt sich aus 1.050 Quadratmetern Büroloft sowie 300 Quadratmetern Fotostudio zusammen.

Im Mai halten Kunst und Kultur Einzug ins Carlswerk. Die Stadt Köln mietet für die städtischen Bühnen 10.530 Quadratmeter als Interimsschauspielstätte im Depot an. Es entstehen zwei Spielsäle: das Depot Eins mit Platz für 700 Gäste und das Depot Zwei mit Platz für 200 Gäste. Mit der kulturellen Erweiterung des Carlswerks etabliert sich auch der „Werkshase“, eine Kantine für die Schauspieler und gastronomische Institution für die Besucher zugleich.

Zum Ende des Jahres wächst die Mieterfamilie aus der Kreativbranche im Carlswerk weiter: Im Dezember bezieht die Arvato Bertelsmann GmbH mit ihrem Online Marketing Segment eine Bürofläche von 850 Quadratmetern.

Im Jahr 2014 entwickelt sich das Carlswerk immer stärker vom ehemaligen Industriestandort zum urbanen Stadtquartier. Dazu trägt unter anderem der Umbau des ehemaligen Drahtlagers in Bürolofts mit rund 2.400 Quadratmetern Fläche und einem Atrium bei. Hauptmieter ist die Telefónica O2 Germany, die 1.800 Quadratmeter bezieht.

Im April werden im Südflügel des Drahtlagers kleinteilige Bürolofts auf einer Fläche von insgesamt 1.200 Quadratmetern errichtet, die unter anderem von Marketing- und Architekturbüros bezogen werden.

Bestehende Kunden wie die REWE Digital GmbH vergrößern ihre Flächen: Im Mai werden 2.700 Quadratmeter Bürofläche in den ersten drei Etagen des Kupferwerks angemietet, bis 2017 sollen die Büroflächen sukzessive auf das gesamte Kupferwerk mit ca. 6.000 Quadratmetern ausgebaut werden. Im Juni erweitert das Eco Institut seine Büro- und Laborflächen im Kupferzug und mietet fortan knapp 1.500 Quadratmeter Fläche an. Auch der August ist von der Vergrößerung eines bestehenden Kunden geprägt. Die damalige Shine GmbH (heute Endemol Gruppe) verdoppelt mit ca. 500 Quadratmetern ihre angemietete Fläche in der Kupferhütte. Mit der Eröffnung der Zahnarztpraxis topdentis Cologne im Oktober zieht eine der führenden Zahnarztpraxen für Angstpatienten im Rheinland in die Werkstatt im Carlswerk ein.

Insgesamt finden sich zum Ende des Jahres mehr als 30 Unternehmen mit 1.250 Arbeitsplätzen auf rund 55.000 Quadratmetern Mietfläche im Carlswerk.

Zudem ist das Jahr von politischen Veranstaltungen und Gästen geprägt. Ein besonderer Moment ist der Besuch des Kölner Oberbürgermeisters Jürgen Roters und der Wirtschaftsdezernentin Ute Berg. Auch der Besuch von Erfolgsautor Ken Follet, der zum 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls ein Stück Berliner Mauer am Eingang des Carlswerks enthüllt, ist ein besonderes Ereignis.

Im Juni wird mit dem Kunst- und Kulturfest rund um die Schanzenstraße den Opfern des NSU-Anschlags vor zehn Jahren gedacht. Mieter, Gäste und Künstler setzen gemeinsam mit Bundespräsident Gauck ein Zeichen gegen Rechtsradikalismus und für Integration.

Bereits zum vierten Mal findet die Unternehmerrunde im Carlswerk statt und etabliert sich zu einer festen Institution und erfolgreichen Netzwerksveranstaltung. 

Auch in diesem Jahr ziehen neue, vielfältige Mieter in das Carlswerk und prägen immer stärker seinen Ruf als urbanes Stadtquartier für sowohl junge als auch etablierte Unternehmen. Dafür sorgt unter anderem die Eröffnung der Boulderhalle der Stuntwerk GmbH auf 2.345 Quadratmetern Fläche. In der ersten Jahreshälfte erweitert die Rewe Digital GmbH ihre Fläche um 4.100 Quadratmeter. Grund ist der Zuzug der Unternehmenstochter Zoo Royal GmbH, einem Online-Shop für Haustierbedarf. Im Februar unterzeichnet die Bellicon Deutschland GmbH, ein Anbieter für Trampoline, einen Mietvertrag im Drahtlager. Dort entsteht ein breiter Nutzungsmix aus Showroom, Bürolofts, Therapieräumen und Lager auf rund 1.500 Quadratmetern Fläche. Positiver Nebeneffekt: Die Mitarbeiter der benachbarten Mieter profitieren ab sofort von entspannten Hüpf-Gelegenheiten in der Mittagspause. Auch die Arwato Bertelsmann GmbH erweitert zur Mitte des Jahres ihre Mietflächen: Im Juli mietet sie weitere 400 Quadratmeter an.

Und auch kulturell tut sich 2015 wieder etwas: Das Cityleaks Festival, Europas größtes Urban Art Festival, findet das erste Mal im Kupferwerk statt. Präsentiert werden Einblicke in urbane Gestaltungsmöglichkeiten und innovative Konzepte für die Stadtplanung.

Im Januar des Jahres beginnt der Bau einer weiteren Transformationsimmobilie: In der Alten Wickelei werden bis Anfang 2017 neue Bürolofts mit einer Fläche von rund 4.200 Quadratmetern geschaffen.

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